Mittlerer Lohn in der Post-, und Paketbranche dramatisch gesunken

In Niedersachsen ist von 2008 bis 2018 die Zahl der Beschäftigten in Post-, Kurier und Expressbranche um etwa 36 Prozent angestiegen (von 29 Tausend auf 39 Tausend). Bundesweit ist die Zahl der Beschäftigten im selben Zeitraum um etwa 24 Prozent angestiegen (von 344 Tausend auf 427 Tausend).

Im ersten Halbjahr 2018 waren in der niedersächsischen Post-, Kurier- und Expressbranche 56,1 Prozent der Neueinstellungen befristet, und damit mehr als im Bundesdurchschnitt mit 52,7 Prozent. Die Befristungsquote lag damit in dieser Branche signifikant höher als in der Gesamtwirtschaft (Niedersachsen: 40,6%, Bund: 41,8%). Im Jahr 2013 waren in Niedersachsen in der Post-, Kurier- und Expressbranche mehr als zwei Drittel (69,9 Prozent) der Neueinstellungen befristet. Beim Bund lag der Anteil bei 64,1 Prozent.

Laut Mikrozensus 2017 lag die Teilzeitquote in der Post-, Kurier- und Expressbranche fast doppelt so hoch wie in der niedersächsischen Gesamtwirtschaft (14,5%). Damit arbeiteten in Niedersachsen von den 32.000 Kernerwerbstätigen in der Branche 9.000 oder 26,8 % in Teilzeit (Bund: 22,2%).

Im Jahr 2018 ist in Niedersachsen der Anteil der Beschäftigten in der Post- Kurier- und Expressbranche, die aufstockende Leistungen nach dem SGB II in Anspruch genommen haben, mit 5 Prozent fast dreimal so hoch wie in der Gesamtwirtschaft mit 1,8 Prozent.

Bundesweit ist in der Post-, Kurier- und Expressbranche das mittlere Bruttomonatsentgelt (Median) von Kernbeschäftigten zwischen 2007 und 2017 um 15,4% gesunken. Im gleichen Zeitraum ist das mitt-lere Bruttomonatsentgelt in der Gesamtwirtschaft um 23,7% angestiegen. Im Jahr 2007 war das mitt-lere Bruttomonatsentgelt in der Branche noch signifikant höher (10,2%) als das in der Gesamtwirt-schaft. Im Jahr 2017 lag die Zahl knapp 30% niedriger als in der Gesamtwirtschaft.

Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Vollzeitbeschäftigten in der Post-, Kurier- und Ex-pressbranche ist bundesweit zwischen 2007 und 2017 um 4,7% auf 3.121 Euro angestiegen. Dies lag um ein Viertel niedriger als der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Vollzeitbeschäftigten in der Gesamtwirtschaft (4.149 Euro). Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Teilzeitbeschäf-tigten in der Branche ist im gleichen Zeittraum um 16,8% auf 1.525 Euro angestiegen. Dies lag um mehr als ein Viertel niedriger als der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Vollzeitbeschäftigten in der Gesamtwirtschaft (2.102 Euro).

In tarifgebundenen Unternehmen in der Post-, Kurier- und Expressbranche ist bundesweit der durch-schnittliche Bruttomonatsverdienst von Vollzeitbeschäftigten zwischen 2007 und 2017 um 4,3% auf 3.244 Euro angestiegen. In nicht-tarifgebundenen Unternehmen ist die Zahl im gleichen Zeitraum um 6,0% auf 2.582 Euro gesunken. Zwischen 2012 und 2015 war der Rückgang in nicht-tarifgebundenen Unternehmen mit 22,1% besonders stark. In 2017 verdienten Vollzeitbeschäftigte in tarifgebundenen Unternehmen durchschnittlich 662 Euro brutto mehr als Vollzeitbeschäftigte in nicht-tarifgebundenen Unternehmen in der Branche. Im Jahr 2007 war die Diskrepanz noch 363 Euro.

Jutta Krellmann, Sprecherin der Linken im Bundestag für Mitbestimmung und Arbeit, kommentiert die Zahlen wie folgt: "Die Zahlen zeigen es deutlich: Während die Branche weiter wächst, kommt bei den meisten Beschäftigten nichts an. 20 Jahre nach der Postprivatisierung führen die Unternehmen einen erbitterten Wettbewerb über die schlechtesten Arbeitsbedingungen. Die Bundesregierung darf nicht länger zusehen, wie Briefträger und Paketzusteller für ihre harte Arbeit mit Niedriglöhnen abgespeist werden. Tarifflucht darf sich nicht auszahlen, die Spirale der Schmutzkonkurrenz nach unten muss gestoppt werden. Allgemeinverbindliche Tarifverträge, auch gegen den Willen der Arbeitgeberseite, muss das Ziel sein. Betriebsräte müssen bei wirtschaftlichen Fragen mitbestimmen können.“